{"id":58,"date":"2017-03-11T13:34:08","date_gmt":"2017-03-11T13:34:08","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/?page_id=58"},"modified":"2017-03-11T13:52:43","modified_gmt":"2017-03-11T13:52:43","slug":"das-geisterfestungsfest","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/?page_id=58","title":{"rendered":"\u00bbDas Geisterfestungsfest\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jugendroman von Pierre Dietz<\/strong><br \/>\nf\u00fcr junge und jung gebliebene Leser beim Verlag Edition AV erschienen<br \/>\nHandlungsort ist die Festung R\u00fcsselsheim<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-59\" src=\"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/gff_umschlag-0400-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/gff_umschlag-0400-197x300.jpg 197w, http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/gff_umschlag-0400.jpg 263w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 85vw, 197px\" \/><\/p>\n<p>Um das Jahr 1435 ger\u00e4t der Waisenjunge Johannes in die H\u00e4nde des Wirts der Festung. Eines Nachts schickt er den Jungen einen Schinken aus der Brunnenstube im Festungswall zu holen. Dort ger\u00e4t der Junge dort in die Welt der Geister, die ihn bereits erwarten. In dieser anderen Welt soll der Junge dem Geisterverein helfen, ihren \u00bbZugang zur Unterwelt\u00ab bekannt zu machen. Der Geisterverein hat sich zum Ziel gesetzt, den Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits die M\u00fcnzen abzukassieren, die sie als Grabbeigabe mit sich tragen. Johannes freundet sich mit dem \u00bbM\u00e4dchen aus dem Osten\u00ab an. Zusammen entwickeln sie Ideen, wie man ein Geisterfestungsfest gestalten kann. Kann der Junge gegen die Profitgier und die Intrigen \u00bbdes Legion\u00e4rs\u00ab bestehen, der den Geisterverein mit harter Hand f\u00fchrt?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-60\" src=\"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/154_Sensemann_331-300x132.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"132\" srcset=\"http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/154_Sensemann_331-300x132.jpg 300w, http:\/\/wordpress.pierre-dietz.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/154_Sensemann_331.jpg 331w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Zahlreiche Zeichnungen zieren das Buch, das im Anhang eine Erl\u00e4uterung des Festungswesens enth\u00e4lt. ISBN: 978-3-86841-077-8, Preis 16 Euro<\/p>\n<p><strong>Leseprobe<\/strong><\/p>\n<p>Es war etwa um das Jahr 1435. Die Nacht war ungew\u00f6hnlich schnell \u00fcber der Festung Ries1 hereingebrochen, denn dunkle Wolken und kalte Polarluft k\u00fcndigten erstmalig in diesem Jahr den Herbst an. Sturmb\u00f6en peitschten die d\u00fcsteren Gesellen vor sich her und spielten mit der Laterne, die vor dem Wirtshaus im inneren Festungshof hing und nur schemenhaft mit dem Licht einer Kerze den Schriftzug \u00bbZum Riesling\u00ab erleuchtete. In der ebenfalls nur schummerig beleuchteten Taverne verzechten ein paar Soldaten ihren Sold. Wem der Wirt gut gesonnen war \u2013 und das war eher selten \u2013, der konnte auch anschreiben lassen.<br \/>\nSelten, dass jemand sich aus dem nahe gelegenen Seilfurt hierher verirrte, au\u00dfer vielleicht ein paar Dirnen. Diese kamen nur freitags, da die Landsknechte dann ihren Sold ausbezahlt bekamen. Doch es war ein gew\u00f6hnlicher Tag unter der Woche. Deshalb wurde an diesem Abend um Geld gew\u00fcrfelt, welches die Waffentr\u00e4ger noch gar nicht erhalten hatten.<br \/>\nDa der Wirt ein notorischer Geizkragen war, brannte im Kamin nur ein sp\u00e4rliches Feuer. Der kalte Wind fegte durch die Ritzen und bereitete den G\u00e4sten der Spelunke ein unwohles Gef\u00fchl. Dennoch versp\u00fcrte keiner von ihnen den Drang, in sein Quartier zur\u00fcckzukehren. Die einen, weil keine Frau dort auf sie wartete, die anderen, weil ihre Frauen sie dort erwarteten, um noch zu sp\u00e4ter Nachtstunde einen Streit \u00fcber das versoffene Geld anzufangen. Konnten sie doch froh sein, in diesen harten Zeiten im Schutz einer Wehranlage wohnen zu d\u00fcrfen und nicht auf den Feldern schuften zu m\u00fcssen.<br \/>\nDahingegen traf man die Soldaten, die mit ihren Familien in den Bastionen wohnten, hier \u00e4u\u00dferst selten an, obwohl deren Sal\u00e4r weit h\u00f6her war. Sie lebten in st\u00e4ndiger Alarmbereitschaft und mussten Tag und Nacht den Fluss zur einen Seite und die Hauptstra\u00dfe zur anderen im Auge behalten. Wenn sie etwas Verd\u00e4chtiges entdeckten, mussten die Bereitschaftssoldaten ausr\u00fccken. Ersp\u00e4hten sie jedoch ein Schiff oder eine Kutsche mit Ladung, schickten sie die Z\u00f6llner hin, um den Wegzoll abzukassieren. Diejenigen eben, die aus Langeweile st\u00e4ndig im Wirtshaus herumlungerten bis der Genuss des Alkohols dazu f\u00fchrte, dass sie an Ort und Stelle einschliefen. Dem Wirt war es egal, solange er nur sein Geld bekam.<br \/>\nIn der Wirtschaft lebte ein Junge namens Johannes. Niemand konnte ihm sagen, wie alt er wirklich war, denn er war noch sehr klein gewesen, als seine Mutter starb. Das Elend ihres Daseins hatte \u00fcberm\u00e4\u00dfig an ihren Kr\u00e4ften gezehrt. Das Leben im Dreck, der Feuchtigkeit, der Schimmelpilze und des Ungeziefers hatte sie geschw\u00e4cht, der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Konsum von Alkohol hatte ihr den Rest gegeben. Auf dem Totenbett hatte sie dem Kind, das die Tragweite ihrer Krankheit noch nicht erfassen konnte, gesagt, dass es ihr eigentlich gut ginge und es sich keine Sorgen machen solle. Der Junge hatte daran geglaubt und glaubte es noch immer, auch als seine Mutter bereits bleich, steif, wortlos und \u00fcbelriechend in ihrem Bett lag. Nachdem er sie mehrfach und ohne Erfolg angefleht hatte, ihm etwas zu essen zu machen, \u00f6ffnete er die T\u00fcr und verlie\u00df zum ersten Mal in seinem Leben die Wohnung alleine. Da sein Vater die Mutter noch vor seiner Geburt verlassen hatte, f\u00fcrchtete diese so sehr, auch ihn zu verlieren, sodass sie ihm nie erlaubte, das kleine Zimmer, das sie in einem Armenhaus bewohnten, zu verlassen. Doch jetzt, schwindelig vor Hunger, machte er sich auf die Suche nach etwas Essbarem. Sein Sprachschatz war noch sehr eingeschr\u00e4nkt, und die anderen Bewohner waren zu sehr mit sich besch\u00e4ftigt. Zu jener Zeit schenkten Erwachsene ohnehin Kindern selten ihre Aufmerksamkeit, und so gelangte er ungehindert auf die Stra\u00dfe. Er ging zum Fluss, wo er ein paar Beeren a\u00df und sich dabei v\u00f6llig mit deren Saft beschmutzte. Er hatte keine Ahnung, was er da zu sich nahm. Es schmeckte ihm, und er hatte Gl\u00fcck, dass es genie\u00dfbar war.<br \/>\nLangsam n\u00e4herten sich drei K\u00e4hne, die mit Stoffballen und anderen wertvollen G\u00fctern beladen waren und von sogenannten Leinenreitern den Fluss hinauf gezogen wurden. Ein Trupp S\u00f6ldner besch\u00fctzte den Tross. Der Junge beschaute dieses Schauspiel und verga\u00df dabei f\u00fcr eine Weile seinen Hunger und seine Mutter. Als sie den Jungen bemerkten, kamen sie spontan auf die Idee, ihn mitnehmen zu wollen, und winkten ihn zu sich. Ein Mann auf seinem Pferd zwinkerte ihm sogar mit den Augen zu und bot ihm einen Platz auf seinem Gaul an. Johannes sp\u00fcrte jedoch deren angespannte Stimmung. Sie war wie die von J\u00e4gern, wenn sie auf der Pirsch nach einem St\u00fcck Wild sind. Instinktiv rannte er davon. Die Soldaten h\u00e4tten ihn locker zu Ross in leichtem Trab einholen k\u00f6nnen. Doch hier so kurz vor der Festung mussten sie damit rechnen, dass bereits ein Z\u00f6llnertrupp losgeschickt worden war. Dabei erwischt zu werden, Jagd auf ein kleines Kind zu machen, konnte dazu f\u00fchren, dassman am Galgen endete. Nicht wegen der Kinder, sondern wegen der Verletzung des Jagdrechts, das allein dem Landgraf vorbehalten war. Nur von ihm ernannte J\u00e4ger durften dieser T\u00e4tigkeit nachgehen. Zuwiderhandlungen wurden mit dem Tod bestraft, da man in jenen Zeiten nie wissen konnte, aus welchem nichtigen Grund man noch kurz die Bekanntschaft eines Henkers machte.<br \/>\nAuf diese Weise gelangte Johannes die Flucht bis zum Festungsh\u00fcgel, an dessen s\u00fcdlichen Flanken Wein wuchs. Eine Tradition, die sich hier seit den R\u00f6mern gehalten hatte, um das \u00bbCastris\u00ab mit Wein zu versorgen. Zwischen den Reben kontrollierte der Wirt der zuvor genannten Taverne, ein kr\u00e4ftiger Mann mit Bauch und Bart, wortkarg und m\u00fcrrisch, den zu erwartenden Ertrag. Dieser sah dank der neuen Rebsorte erfolgversprechend aus und so hatte er ausnahmsweise gute Laune. Die zu erwartende Ernte reichte voraussichtlich f\u00fcr ein ganzes Jahr \u2013 besonders, wenn er den Wein noch reichlich mit Wasser verl\u00e4ngerte. Wenn seine G\u00e4ste schon zu viel getrunken hatten, wusste er, dass sie den Unterschied nicht mehr merkten. Dann handhabte er es mit dem Essen ebenso, denn aus Habsucht hatte er die Vorr\u00e4te stets zu knapp bemessen. So servierte er den Betrunkenen gerne auch mal die M\u00e4use und Ratten, welche seine Katzen am fr\u00fchen Abend fingen und ihm auf die Schwelle an der Hintert\u00fcr legten. Zugelaufenen Hunden und Katzen bl\u00fchte im \u00dcbrigen ein \u00e4hnliches Schicksal, besonders wenn sie dem Wirt vor die Taverne f\u00e4kalierten.<br \/>\nNoch mehr freute es ihn, ein elternloses Kind zu sehen, das geradewegs auf ihn zugelaufen kam \u2013 wenn man die noch leicht unkontrollierten Bewegungen Laufen nennen konnte. Als der Junge sich dann auf allen Vieren weiter bewegte, war es f\u00fcr den Wirt ein leichtes Spiel, ihn unter dem Versprechen von Wasser und Brot unter den Arm zu nehmen und in die Festung zu tragen. Der Wachposten nahm keine weitere Notiz davon, da der Wirt ihm ja bekannt war und dieser schon des \u00d6fteren irgendwelche Kinder im Schlepptau hatte. Es kam immer wieder vor, dass diese verschwanden. Das fiel aber keinem sonderlich auf, denn die Soldaten der Bereitschaft wechselten \u00f6fter und die Menschen aus den Bastionen kamen nur selten in den inneren Hof der Festung. Zudem k\u00fcmmerte es niemanden. Denn was ging einen schon der Nachwuchs der anderen an?<br \/>\nSo kam es, dass der Junge ein Teil der Festung wurde. Als billige Arbeitskraft, der man eine kleine Kammer unter dem Dach zugewiesen hatte, in der es stickig und modrig war. Zu essen gab es nur Reste aus der K\u00fcche oder von dem, was die G\u00e4ste zur\u00fcckgehen lie\u00dfen, weil es zu salzig oder l\u00e4ngst verdorben war. Zu seinem Gl\u00fcck bekam er aber oft von den Soldaten, die ihn f\u00fcr das Maskottchen der Festung hielten und ihn gerne mit dem Spitznamen \u201eRiesling\u201c anredeten, etwas Essbares zugesteckt, was nicht aus dem Bestand der Taverne kam. F\u00fcr den Wirt Anlass, auch den Wein und sogar die Taverne \u201eRiesling\u201c zu nennen. Beim Kauf neuer Reben lie\u00df er den \u00fcberraschten H\u00e4ndler den neuen Namen sogar auf den Rechnungsbeleg schreiben.<br \/>\nAllerdings erkannte der Junge seine miserable Lage nicht. Immerhin schlug der Wirt ihn nicht, selbst wenn ihm mal versehentlich etwas aus den H\u00e4nden glitt oder er seine Aufgaben nicht in der Zeit erf\u00fcllte, die der Wirt ihm vorgegeben hatte. Andererseits redeten die beiden sonst kein Wort. Nur die eingebildete Wirtsfrau antwortete von oben herab auf seine Fragen. Doch im Laufe der Zeit brachte sie dem Jungen aus Eigennutz Lesen und Schreiben bei, damit er ihr bei der Lagerverwaltung helfen konnte. Das hie\u00df, wenn sie \u00fcberhaupt mal da war, denn meist trieb sie sich irgendwo in der Gegend mit dem Vorwand herum, die Anwohner in der Umgebung auf die Kneipe aufmerksam zu machen. Die Soldaten waren sich jedoch alle einig, dass sie ihrem Gatten nur H\u00f6rner aufsetzen w\u00fcrde. Was sie nicht wussten, war die Tatsache, dass der Wirt seine Frau gegen einen gewissen Betrag an einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten zu deren k\u00f6rperlichen Freuden verlieh. Hauptsache, er verdiente Geld, egal mit welchen Mitteln.<br \/>\nEines Tages fand Johannes zuf\u00e4lligerweise ein St\u00fcck Papier1, das ein Soldat verloren hatte. Ohne zu wissen, welche Konsequenzen der Verlust dieses Dokuments f\u00fcr den Soldaten hatte, nahm er es an sich. Auf der Vorderseite war das Papier beschrieben und eine sehr geometrische Zeichnung zierte einen gro\u00dfen Teil der Fl\u00e4che. Zu seiner Freude war die R\u00fcckseite jedoch noch unbeschrieben und wei\u00df. Er steckte es ein. Eines Abends war die Kneipe leer. Die Soldaten waren zu einem Man\u00f6ver aufgebrochen. Er langweilte sich, da ihn keiner scheuchte, \u00e4rgerte oder aufzog, wie es normalerweise der Fall war. Der Wirt wies ihn also an, ihn nur zu rufen, falls doch noch G\u00e4ste k\u00e4men. Dann ging er in seine Wohnung, um sich hinzulegen.<br \/>\nDa fiel ihm das Papier ein, das er nun hervorkramte. Dann holte er sich das Fl\u00e4schchen mit der Eisengallustinte und den Federkiel, den der Wirt f\u00fcr seine Abrechnungen benutzte. Nun versuchte er die Gegenst\u00e4nde, die ihn umgaben auf das Papier zu bannen. Anf\u00e4nglich kleckerte er, da er zu viel Tinte auf der Feder hatte, sp\u00e4ter waren die Linien ohne Farbe, doch langsam bekam er es in den Griff, sodass die Tinte gleichm\u00e4\u00dfig flie\u00dfen konnte. Es freute ihn zu sehen, wie die Dinge ihre Form bekamen, bis das Papier damit \u00fcbers\u00e4t war.<br \/>\nEr war derart in sein Schaffen vertieft, dass er die Person nicht bemerkt hatte, die sich ihm langsam und lautlos von hinten gen\u00e4hert hatte. Fast atemlos hatte sie sich \u00fcber ihn gebeugt und zugesehen, was er zeichnete. Es war die Wirtin, die schlie\u00dflich Worte der Bewunderung fand, sodass der Junge sich derart erschrak, dass er f\u00fcr kurze Zeit die Besinnung verlor.<br \/>\nAls er wieder zu sich kam, pochte sein Herz und die Schamesr\u00f6te erhitzte die Haut seiner Wangen.<br \/>\n\u201eDu kannst sehr sch\u00f6n malen. Wenn du willst, besorge ich dir gerne mehr von dem Papier.\u201c<br \/>\nFroh dar\u00fcber, dass die Wirtin ihm nicht \u00fcbel genommen hatte, dass er sich die Zeichensachen ohne zu fragen genommen hatte, und erfreut \u00fcber dieses Angebot, stimmte er ihr mit einem strahlenden L\u00e4cheln zu. War es doch zudem eine gute Sache, sich die Zeit zu vertreiben.<br \/>\nSo wuchs Johannes zu einem jungen Burschen heran, der sich zwar nicht vor der harten Arbeit im Weinberg oder in der Wirtschaft dr\u00fcckte, aber zu jeder Zeit zeichnete, wenn die Wirtsleute mit sich selbst besch\u00e4ftigt waren. Nach und nach gab es kaum einen Winkel in der Festung, den er nicht auf Papier gebannt hatte. Der Wirtin war dies recht. Sie nahm ihm seine Werke ab und verkaufte sie in der Stadt. Im Gegenzug brachte sie ihm frisches Papier, Tusche und Farbpigmente mit. Dann hatte er die Idee, mit einem scharfen Messer die Spitzen der G\u00e4nsefedern, die er im Hof nur aufzulesen brauchte, mit unterschiedlichen Breiten zu versehen. So verwendete er f\u00fcr Umrandungen unterschiedliche Breiten und f\u00fcr Schraffuren d\u00fcnnere Spitzen. Dadurch erreichte er ungeahnte und f\u00fcr die Zeit ungew\u00f6hnliche Tiefen seiner Zeichnungen.<br \/>\nSp\u00e4ter ging er dazu \u00fcber, Pflanzen wie den Wein, und B\u00e4ume zu skizzieren. Hier erregte er jedoch den Zorn des Wirts, der den Bildern nichts abgewinnen konnte und fand, dass der Junge nicht arbeitete.<br \/>\nOft ging er gar nicht zu Bett, sondern zeichnete bei Kerzenschein. Das wenige Licht erleichterte es ihm, sich um so mehr auf seine Zeichnungen zu konzentrieren. Er versuchte, aus der Erinnerung die Wirtin zu zeichnen, die er beim Baden beobachtet hatte. Aus seiner Sicht eine alte Frau, doch ihre Haut war noch sehr straff. Sein Glied hatte sich bei ihrem Anblick geregt, doch er wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.<br \/>\nPl\u00f6tzlich hatte er Bedenken, wie die Wirtin wohl auf diese Zeichnung reagieren w\u00fcrde. Fieberhaft \u00fcberlegte er, wo er das Bild verstecken k\u00f6nnte. Schlie\u00dflich wurde er f\u00fcndig: Eine lockere Bodendiele erschien ihm als das sicherste und auch trockenste Versteck, um das Werk zu sch\u00fctzen.<br \/>\nEr wusste aber nicht, dass die Wirtin genauestens Buch \u00fcber die Anzahl der gekauften Bl\u00e4tter und der verkauften Zeichnungen f\u00fchrte. So stand sie eines Tages unverhofft in seinem Zimmer:<br \/>\n\u201eMir scheint, es fehlt ein Blatt. Wo kann es geblieben sein?\u201c<br \/>\nDer Junge erschrak und stammelte etwas davon, dass Papier leicht zerst\u00f6rbar sei. Sicher ein Raub der Flammen, da er unzufrieden mit dem Werk gewesen sei. Das machte dieWirtin w\u00fctend und sie verlangte unverz\u00fcglich die Herausgabe des Papiers. Mit oder ohne Zeichnung. Unber\u00fchrt oder die Asche. Der Junge versuchte Zeit zu gewinnen, indem er ihr die anderen Zeichnungen zeigen wollte. Sie aber lie\u00df sich davon nicht irritieren und \u00fcberlegte bereits, mit welchen Ma\u00dfnahmen sie drohen w\u00fcrde, als der Junge mit hochrotem Kopf klein beigab. Er hob die Bodendiele an und \u00fcbergab ihr das Blatt mit leicht zitternden H\u00e4nden. Sofort griff sie danach und riss es ihm aus den H\u00e4nden. Er f\u00fcrchtet derweil zumindest mit einer Ohrfeige bestraft zu werden und hielt seine Arme sch\u00fctzend vor sein Gesicht. Doch stattdessen verfiel sie in ein schallendes Gel\u00e4chter. Ohne f\u00fcr ihr Verhalten eine Erkl\u00e4rung abzugeben, lie\u00df sie den verbl\u00fcfften Jungen in seiner Kammer stehen.<br \/>\nTage sp\u00e4ter gab sie ihm abermals wortlos neues Papier und lie\u00df danach die T\u00fcren zu ihrem Zimmer absichtlich offen stehen. Sie badete fortan auff\u00e4llig lange und eilte sich nie, sich wieder anzuziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendroman von Pierre Dietz f\u00fcr junge und jung gebliebene Leser beim Verlag Edition AV erschienen Handlungsort ist die Festung R\u00fcsselsheim Um das Jahr 1435 ger\u00e4t der Waisenjunge Johannes in die H\u00e4nde des Wirts der Festung. Eines Nachts schickt er den Jungen einen Schinken aus der Brunnenstube im Festungswall zu holen. 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